SEEING THROUGH CLOUDS 19/03/2021 — 19:00
Gespräch mit Francis Hunger und Nelly Yaa Pinkrah

19–20 Uhr

digitales Gespräch auf Zoom
Anmeldung unter mail@mananabold.de

Archive sind nicht nur Ablageorte, sondern auch Machtinstrumente wie Möglichkeitsräume. Sie „steuern und verwalten eine Realität, der sie vorausgehen“, und sind „Realitätsraffer“ nicht nur im temporalen, sondern auch im modalen Sinne (Knut Ebeling). Was denkbar erscheint, kann möglich gemacht werden, und hat insofern bereits eine eigene Wirklichkeit. Aus post-kolonialer und post-digitaler Perspektive gewinnt diese Funktion des Archivs als Ort, der uns ermöglichen kann, eine dokumentierte Vergangenheit und Gegenwart auf zukünftiges Denken und Handeln zu beziehen und nicht bloß die „eine Geschichte“, sondern viele Geschichten aus vielschichtigen Materialien zu lesen, neu an Bedeutung. Welche Wissenshierarchien, Intransparenzen und Ordnungsweisen, Chancen und Gefahren der Aneignung von Machtstrukturen durch Individuen und Gruppen bieten digitale Archive und Datenbanken? Wie können künstlerische Arbeiten den Blick darauf schärfen? Welche Lücken schaffen die spezifischen „neuen“ Aufzeichnungs- und Speichermedien, und welche Art von Imagination können diese fördern? Welche Metaphern kursieren in Hinblick auf (digitale) Archive – und was sagen diese aus?

Das Gespräch mit dem Medienkünstler Francis Hunger und der Medienwissenschaftlerin Nelly Yaa Pinkrah greift diese Fragestellungen auf.
Francis Hunger beschäftigt sich künstlerisch mit Historiographien von (digitalen) Medien und geht, etwa in Videoarbeiten und Hörspielen, den Erwartungen, Hoffnungen und Sehnsüchten nach, die wir an technologische Entwicklungen knüpfen. Er verfasst medientheoretische Texte und unterstützt wissenschaftlich das Projekt „Training the Archive“ (Ludwig Forum Aachen, HMKV Hartware MedienKunstVerein Dortmund, Visual Computing Institute / RWTH Aachen).
Nelly Yaa Pinkrah ist Kultur- und Medientheoretikerin und Politaktivistin. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Leuphana Universität in Lüneburg, wo sie derzeit ihre Doktorarbeit über Édouard Glissant und Kybernetik schreibt. Ihre Interessengebiete sind (digitale) Medien und Technologie, politisches Denken und Handeln, Schwarze feministische und postkoloniale Theorie, Dekolonialität und Kulturgeschichte.

Das Gespräch findet in deutscher Sprache statt. Es wird moderiert von der Kunstkritikerin und Kuratorin Uta M. Reindl und Ellen Wagner, Kunstkritikerin und Vorsitzende des Kunstvereins Mañana Bold.