An Exercise in Tenderness 06/06/2020 bis 28/06/2020
mit Arbeiten von Jan Buchczik, Alexandra Hojenski, Shana Moulton, Charlotte Prodger, Przemek Pyszczek

Eröffnung: 6. Juni 2020 in kleinen Gruppen, Buchungen bitte über www.saasfeepavillon.de/welcome
Öffnungszeiten: tba /nach Absprache: mail@mananabold.de

saasfee*pavillon
Bleichstrasse 66 HH
60313 Frankfurt a. M.

„An Exercise in Tenderness“ changiert zwischen der Abwesenheit menschlicher Körper und einer Überfülle an Gliedmaßen, festgesetzt und unterwegs in mehrdeutigen Situationen. Formale Strenge und assoziative Geschichten treffen in unterschiedlichen Medien aufeinander und formen angedeutete Räume, in denen wir einander, andere und uns selbst beobachten. Gesten, Posen und Haltungen, in Gedanken und im Körper, fügen sich wie angefangene Sätze zu einer lichten Landschaft mit surrealen Anklängen und begleitet von poetischen Textfragmenten.

Przemek Pyszczeks Objekte aus bunt lackierten Stahl-Elementen ausrangierter Klettergerüste vermitteln einen spielerischen Eindruck und zugleich eine wehmütige Sicht auf die architektonischen Bruchstücke einer kommunistischen Vergangenheit Polens. Die Fragmente biegen sich umeinander, elegante Schwünge und ungelenk anmutende Knicke wechseln sich ab. Fast wirkt es, als nähmen die Objekte als versehrtes und verqueres Mobiliar verschiedene Körperhaltungen ein.

Alexandra Hojenskis Installation fügt sich aus Tauen und Holzstäben, aus straff gezogenen Schnüren und locker geworfenen Netzen – wie Fallen und wie Unterschlüpfe, ein ambivalentes Habitat für Mensch und Tier evozierend. Die Situationsskizzen wecken Assoziationen zu Zooumgebungen und dem ganz alltäglichen Miteinander zwischen Menschen und Tieren, Menschen und Menschen.

Während bei Hojenski und Pyszczek Spuren abwesender Körperteile ihre Präsenz entfalten, spielen isolierte Körperteile mit beunruhigend vergnügtem Eigenleben eine zentrale Rolle bei Jan Buchczik und Shana Moulton.
In Jan Buchcziks Illustrationen begegnet die Bewegung der Protagonisten ungewohnten Herausforderungen. Kopfüber und landunter stehen die Figuren im Format, welches sie häufig durch prothesenhafte Auswüchse und architektonische Anbauten ihrer Körper füllen. Immer wieder blicken uns auch Tiere entgegen.

Ein diffuses Gefühl der Unpässlichkeit und zugleich der poetischen Hypersensibilität für die Schwingungen der gegenständlichen Welt, die uns auf den Leib rückt, uns angeht, Versprechungen macht und sich dann doch wieder zurücknimmt, durchziehen Moultons Videos im New Age-Ambiente. In „Restless Legs Saga“ wird Cynthia von ihren rastlos umeinander schlagenden Beinen geplagt, während sie sich Reklame für Medikamente ansieht, die ihr Linderung verheißen.

Die Ausstellung wird ergänzt durch ein Filmscreening von Charlotte Prodgers „SaF05“ am 12. Juni 2020.
Unterstützt von einem Forscherteam machte sich Prodger im Okavango Delta auf die Suche nach einer gemähnten Löwin, deren Aussehen und Verhalten „typisch männlich“ und „typisch weiblich“ konnotierte Merkmale zugleich aufweist. Episoden aus der Lebensgeschichte der Künstlerin begleiten Landschaftsaufnahmen von verschiedenen, in An- und Abwesenheit des Menschen eingesetzten Kameras.

Wir danken dem saasfee*pavillon, der Stiftung Kunstfonds Bonn, der Stadt Frankfurt a. M. und der Galerie Berthold Pott für die Unterstützung.

Alexandra Hojenski: Die Brut, 2019 (Detail)
Jan Buchczik
Przemek Pyszczek: Playground Structure (Giraffe), 2014