Routen 01/11/2019 bis 23/11/2019
mit Arbeiten von Julia Feyrer, Oliver Husain, Maximilian Kirmse, Daniela Kneip Velescu

Eröffnung: 1. November 2019, 18 Uhr
Finissage: 23. November 2019, 15–19 Uhr
Öffnungszeiten: Mi–Sa, 14–19 Uhr, und nach Absprache: mail@mananabold.de

Kressmann-Halle, Hafenallee 13, 63067 Offenbach am Main

Zwischen Konzentration und Zerstreuung zeigt die Ausstellung Routen Straßenszenen in einem sehr weiten Sinn. Unterschiedliche mögliche Realitäten und Wahrnehmungsweisen alltäglicher Umgebungen scheinen auf. In Crispy Crisis (2019) lässt Daniela Kneip Velescu die Zähne blecken, blinzeln und brüllen. Unter Glasglocken toben die Gebisse, gerahmt von leuchtend roten Lippen, gemalt auf geknautschten Spüllappen, zäh, benutzt und angekokelt.
Die Potentiale und die Grenzen körperlicher und sprachlicher Artikulation spielen nicht nur hier eine Rolle, sondern auch bei Oliver Husain. Durchlässige Materialien, Tücher und Vorhänge, sowie architektonische Motive der Schwelle und Vervielfältigung von Räumen prägen seine Arbeiten. Halb-dokumentarisch folgen die Videos den Umwegen einer Lebensgeschichte, um sie momenthaft im Rhythmus eines kulturell spezifisch aufgeladenen, doch mehrfach codierten Tanzes einzufangen.

Julia Feyrers Escape Scenes (2014) wiederum zeigt eine Autofahrt durch die Stadt. Die Kamera ist auf eine poröse Rahmenkonstruktion im offenen Heck des Wagens gerichtet, der mit kleinen Alltagskuriosa, etwa Fäden, Klebenotizen oder Puzzleteilen, bestückt ist. Im Hintergrund entfernt sich die Straße der Fahrtrichtung entgegen.
Netz- und Gitterstrukturen finden sich ebenfalls in Maximilian Kirmses Malereien von Begegnungen und Fortbewegungen, etwa in öffentlichen Verkehrsmitteln oder Ladenzeilen. Aus getupften Flächen und verflochtenen Linien wachsen Bild-Fassaden unterschiedlicher Dichte, die an pointillistische Gemälde, teils auch an per Hand übertragene Photoshop-Effekte erinnern.

Im Vor- und Rückwärtsgang zeigt Routen verschiedene Modi des In-der-Welt-Seins oder temporären Aus-dieser-Zurücktretens. Der Körper als Grundlage sinnlicher Wahrnehmung tritt dabei nicht notwendigerweise als Ganzheit in Erscheinung. Die verschiedenen Rahmungen und Verknüpfungen fragmentarischer Impressionen werden nicht bloß als Begrenzung, sondern als Filter und Erweiterung aufgefasst, zwischen Abschirmung und Grenzverschiebung, zwischen Schulterblick und Windschutzscheibe.

Gefördert durch die Kulturstiftung der Städtischen Sparkasse Offenbach
Foto oben: Tim Peukert

Oliver Husain: Green Dolphin, 2008 (Still)
Oliver Husain: Were Here, 2017 (Still)
Daniela Kneip Velescu: Crispy Crisis [Toasted], 2019
Julia Feyrer: Escape Scenes, 2014 (Still)
Maximilian Kirmse: Warschauer 2, 2019