Autumn Screening 12/10/2019 — 19:00
Mike Kelley:
The Banana Man (1983)
Superman Recites Selections from „The Bell Jar“ and Other Works by Sylvia Plath (1999)

um 19 Uhr
TOR Art Space
Allerheiligenstraße 2–24, 60311 Frankfurt am Main

Immer wieder beschäftigte sich Mike Kelley mit körperlichen und geistigen Zuständen des Unvollständigen, scheinbar Unterlegenen, wie z. B. dem des Heranwachsenden oder des vom Trauma Gezeichneten, die jedem logischen System entgleiten. Zugleich übersteigen sie das System in seiner Autorität – gerade durch die Unfähigkeit, sich in diesem zu verorten.

In Superman Recites Selections from „The Bell Jar“ and Other Works by Sylvia Plath (1999) rezitiert ein als Superman kostümierter Schauspieler Passagen aus Plaths Werken. Er zieht so eine Parallele zwischen der Metapher der Glasglocke für eine als fremdbestimmt erfahrene Isolierung von der Außenwelt bei Plath und Kandor, der zerstörten Heimatstadt des Superhelden. Diese wird in den Comics als objektgewordene Erinnerung an die traumatische Vergangenheit des Helden unter einer Glasglocke gezeigt. Die schematisch und immer wieder anders dargestellte Glasglockenstadt wird zur sinnbildhaften Stellvertreterin für eine Zeit zwischen projizierter Vergangenheit und zurückgewünschter Zukunft, die zwar ein unberührbares, entfremdetes Verhältnis zur Gegenwart prägt, als Imagination jedoch formbar bleibt.

Das Scheitern der Rekonstruktion einer in sich schlüssigen Erinnerung an eine persönliche Herkunft oder identitätsstiftende Erfahrung, einer einmal verliehenen Bedeutung, die durch „Aussetzer“ vor konventioneller Festschreibung gerettet werden kann, ist ebenso zentrales Motiv in The Banana Man (1983). Hier spürt Kelley dem Charakter einer Figur aus der Kinder-Fernsehsendung „Captain Kangaroo“ nach, deren Auftritt darin besteht, eine schier endlose Reihe absurder Gegenstände, begleitet von „Ooooouuuhh“- und „Woaaaaah“-Lauten, aus seinen Hosen- und Manteltaschen hervorzuziehen. Obwohl Kelley die Sendung als Kind geschaut hatte, kannte er selbst den „Banana Man“ nur aus Berichten von Freunden. Losgelöst von jeglicher erzählerischer Motivation laufen die Gesten der nachgespielten fiktiven und rätselhaften Figur in die Leere des produktiv Dysfunktionalen.

Abb.: Mike Kelley. The Banana Man (1983), Still.
Courtesy of Electronic Arts Intermix (EAI), New York, and the Mike Kelley Foundation for the Arts, Los Angeles.